Kirchengemeinde

Wewelsfleth

Ermutigendes - nicht nur zu Coronazeiten

Zu Weihnachten gehört untrennbar die Geschichte, die Lukas erzählt: wie Jesus geboren wird im Stall von Bethlehem. Wohl alle kennen diese Geschichte von Maria und Josef, ihrem Kind, den Hirten, den Engeln, den Königen.

Wo komme ich vor in dieser Geschichte?

Ein befreundeter Pastor sagte vor ein paar Tagen: "Ich bin so müde, ich könnte mir vorstellen, mich im Stall einfach neben die Krippe zu legen zu schlafen." So erschöpft war er von der Vorbereitung, von so vielen Dingen, die es in diesem Jahr so anstrengend machen. Anstrengend für den Kopf, und anstrengend für die Seele. Denn dieses Jahr ist Weihnachten anders!

Das kann ich gut verstehen.

Ist unser Platz also neben der Krippe?

Eigentlich nicht. Wir sind nicht an der Krippe, nicht im Stall, ja nicht einmal in der Kirche, selbst wenn wir das wollten! Das ist ja die große Enttäuschung für alle. Wir alle hatten uns das ganz anders vorgestellt!

Dabei ist Weihnachten eigentlich schon ganz am Anfang eine Enttäuschung.

Die Erwartungen, die die Menschen hatten, waren ganz anders. Sie hofften auf die große Veränderung. Sie hofften auf Liebe, Gerechtigkeit, Frieden und Barmherzigkeit.

Sie hofften, dass Gott selbst in diese Welt kommt. Der Retter der Welt.

Was sie erwarteten, war ein großes kosmisches Ereignis.

Und was bekommen sie?

Ein Kind in einem armseligen Stall. So kommt Gott in die Welt.

Eigentlich eine große Enttäuschung.

Interessanterweise ist aber niemand enttäuscht, der Zeuge dieser Geschichte wird!

Die Hirten nicht, denen die Engel auf dem Feld die Botschaft bringen: „Habt keine Angst! Euch ist der Heiland geboren! Geht hin und seht euch das an!“

Auch die Könige nicht, die später dazu kommen. Sie müssen etwas völlig anderes erwartet haben als das, was sie dann finden. Den Herrscher der Welt - wie hätten sie sich den anders vorstellen sollen als einen ihresgleichen?

Sie alle finden ein Kind in einem Stall - und tatsächlich ist niemand enttäuscht.

Warum eigentlich nicht?

Offenbar haben die Menschen, die dorthin kommen, instinktiv gespürt: dieses Kind ist wirklich Gottes Sohn. Dieses Kind ist wirklich der Retter der Welt. Hier beginnt etwas, was die Welt wirklich zum Guten verändern kann. Vielleicht haben sie geahnt, dass in dieser vermeintlichen Enttäuschung der Kern der Wahrheit liegt:

Dass nämlich Liebe, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit gar nicht anders in die Welt kommen kann, als genauso, wie Gott das hier tut: klein und schwach, mit etwas, vor dem niemand Angst haben muss: einem kleinen Kind.

Nicht mit Macht und mit Gewalt, sondern liebevoll. So fängt Gottes Geschichte mit uns Weihnachten an. Und niemand ist enttäuscht!

Und wo komme ich nun in der Geschichte vor? Mit wem kann ich mich am ehesten identifizieren?

Bestimmt nicht mit den Engeln, und mit den Königen auch nicht. Am nächsten stehen mir persönlich die Hirten. Ihre Situation ähnelt ein bisschen der Unseren in diesem Jahr: draußen sein zu müssen, nicht rein zu dürfen, abgeschieden zu sein von den anderen. Sie sind draußen auf dem Feld bei ihren Tieren, weit weg von den anderen Menschen.

Ausgerechnet zu ihnen kommt der Engel mit der Botschaft: für euch ist der Heiland geboren! Für euch ist Gott Mensch geworden. Für euch einfachen Leute. Nicht nur für die Könige, nicht nur für die besonderen Leute in dieser Welt: Für euch.

Und dann machen sie sich auf den Weg um zu entdecken, was da passiert ist.

Ein wenig ist das auch unsere Situation in diesem Jahr: wir müssen uns auf den Weg machen. Und entdecken, was Weihnachten wirklich ausmacht.

Normalerweise feiern wir Weihnachten so wie immer. Wir wissen, was passiert, der Ablauf ist immer gleich. In diesem Jahr müssen wir uns fragen: was ist uns wirklich wichtig? Was vermisse ich in diesem Jahr und was fehlt mir? Was möchte ich bewahren.

Was ist denn wichtig für mich und muss zu Weihnachten dazu gehören? Was ist wirklich wichtig? Was ist der Kern von Weihnachten?

Für mich ist der Kern von Weihnachten, dass Gott uns nahe ist. Wenn unser Leben schön ist und großartig, und auch wenn es bitter und traurig ist. Dann kommt Gott uns nahe und steht uns bei. Gott lässt uns nicht im Stich.

Es gibt eine Macht, die ist größer als wir. Eine Macht, die JA sagt zu dieser Welt und zu jedem und jeder einzelnen von uns. Eine Macht, die einsteht für Liebe, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Mit unserer Sehnsucht nach einer besseren Welt sind wir nicht alleine und auf uns gestellt, Gott steht an unserer Seite.

Darauf dürfen wir uns Weihnachten freuen. Und daraus können wir Kraft schöpfen, Kraft und einen langen Atem. Und den brauchen wir ja gerade in dieser Zeit ganz besonders. Auf wie viel müssen wir derzeit verzichten!

Wie werden wir das schätzen, wenn wir unser normales Leben wieder haben! Wenn wir uns wieder nahe sein dürfen, in Freud und Leid.

Irgendwann wird das soweit sein. Unser Leben wird uns wieder geschenkt werden. Da dürfen wir ganz sicher sein.

Frohe Weihnachten!

Ihr Pastor Jens Siebmann

  

  

Zum Sonntag, 29. März 20


Es sind schwere Zeiten. Zeiten mit großen persönlichen Einschränkungen. Auch mit großen seelischen Belastungen.



Es ist für mich gerade eine ganz eigenartige Stimmung: die Ruhe vor einem Sturm, vom dem man hofft, ihn irgendwie zu überstehen und dass er nicht so schlimm wird.



Trotzdem gibt es auch jetzt Dinge, für die ich dankbar bin. Und die mir Hoffnung geben:



Ich bin dankbar für meine Familie und die Freunde, mit denen ich Kontakt habe, auf welche Weise auch immer. Weil ich spüre: ich bin nicht alleine, auch wenn wir uns ganz konkret nicht nahe sein können.



Ich bin dankbar, dass wir in unserem Dorf leben können, mit der Natur um uns herum, mit unseren Gärten. Ich mag mir nicht ausmalen, jetzt in der Enge einer Stadt zu wohnen, da haben wir es doch verhältnismäßig gut.



Ich bin dankbar für die, die sich gerade jetzt dafür einsetzen, dass das Leben weitergehen kann: dass der Laden auf ist, die Arztpraxis. Ich bin dankbar für die, die sich um andere kümmern, vor allem in den Krankenhäusern. Es gibt so viele stille Helden in diesen Tagen!



Ich bin auch dankbar, dass wir in diesem Land leben. Bei allem, was man über Politiker ja auch denken kann: ich persönlich glaube, dass wir in guten Händen sind und dass die, die jetzt die schwere Verantwortung tragen, das so gut machen, wie es eben überhaupt geht. Menschen, die sich beraten lassen von Experten, die kompetent sind. Was für einen Schatz an klugen Wissenschaftlern haben wir doch bei uns!



Ich erlebe die Menschen, die jetzt schwere Entscheidungen treffen müssen so: Ruhig, entschlossen und besonnen.


 


Mich erinnert das an einen Satz aus der Bibel: Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.*


*2. Timotheusbrief, Kapitel 1, Vers 7



Für mich fasst das zusammen, worauf es jetzt ankommt.



Geist der Besonnenheit: das heißt für mich: nicht panisch werden, sondern sich an das halten, was uns die Experten sagen.



Geist der Liebe, Geist der Kraft: das ist für mich alles, was uns Mut gibt, uns für andere einzusetzen, sich zu kümmern, füreinander da zu sein. Und auch an sich selbst zu denken und die Hoffnung zu bewahren.



So, wie ich es in einem der vielen Texte gefunden habe, die einem jetzt im Internet angesichts der Krise begegnen:



Nicht alles ist abgesagt

Sonne ist nicht abgesagt

Frühling ist nicht abgesagt

Beziehungen sind nicht abgesagt

Liebe ist nicht abgesagt

Lesen ist nicht abgesagt

Zuwendung ist nicht abgesagt

Musik ist nicht abgesagt

Phantasie ist nicht abgesagt

Freundlichkeit ist nicht abgesagt

Gespräche sind nicht abgesagt

Hoffnung ist nicht abgesagt

Beten ist nicht abgesagt.



Hoffnung und Beten sind nicht abgesagt!



Bei uns in der Kirche brennt jeden Abend ab 18 Uhr ein Licht der Hoffnung: eine Kerze auf dem Altar (keine Angst: sie ist elektrisch).



Sie können sicher sein: auch in der Dunkelheit brennt da für uns alle dieses Licht. Auch wenn wir zur Zeit nicht hin können: Das Licht leuchtet. Ein kleines Zeichen dafür, dass Gott uns nicht verlässt.



Bleiben Sie gesund und behütet!


Ihr Pastor Jens Siebmann